Die Vielfalt des Sports immer im Sinn //
Zum Tod von Gerhard Reimann

Angefangen hat alles mit Briefmarken. Mit Miniaturmeldungen, die Liebhaber buchstäblich mit der Lupe aufspüren mussten, irgendwo auf den hinteren Seiten der Zeitung, wo gerade Platz war, weil ein anderer Text oder eine Anzeige weggebrochen war. Als Gerhard Reimann 1951 als Redaktionsassistent zum Tagesspiegel kam, spielte der Sport in der täglichen Berichterstattung eine nicht mal untergeordnete Rolle. Diesen Zustand zu ändern, hat er sich ein Berufsleben lang zur Aufgabe gemacht. Mit Erfolg: Reimann fing als Ein-Mann-Sportredaktion an, und als er 1991 in den Ruhestand wechselte, war sein Ressort auf acht Redakteure angewachsen.

Schnell stieg Reimann zum Redakteur und Sportchef auf. Wie Günter Matthes, Heinz Ohff oder Joachim Bölke stand er für die alten, patriarchalischen Ressortleiter, die in den Sechziger-, Siebziger- und Achtzigerjahren das Blatt prägten. Stets hielt er die schützende Hand über die Redaktion. Er forderte gute Arbeit und Einsatzfreudigkeit und war dabei doch immer großzügig und freigiebig.

Und er hatte einen Sinn für die Vielfalt des Sports. Gerhard Reimann war keiner, für den erst Fußball kam und danach Fußball, Fußball und noch mal Fußball. Er hatte Interesse an allen Sportarten, aber seine große Leidenschaft war das Boxen. Hier war er wie kein Zweiter bewandert, eine Koryphäe, geschätzt von den Kollegen, respektiert von den Athleten. Max Schmeling, Joe Louis, Karl Mildenberger, Eckhard Dagge, Norbert Grupe, René Weller, die Gebrüder Rocchigiani - Gerhard Reimann kannte sie alle. Und sie kannten ihn. Noch als Rentner war er ein gern gesehener Gast am Boxring.

Seine Freizeit verbrachte er am liebsten mit der Familie, hin und wieder arbeitete er im elterlichen Garten. Er war aber auch selbst sportlich aktiv; Laufen und Fahrradfahren waren seine sportlichen Hobbys.

Seine zweite Liebe neben dem Sport war Theater. Dazu war Reimann ein leidenschaftlicher Tänzer. Ein Berliner Presseball ohne das Ehepaar Helga und Gerhard Reimann - undenkbar. Erst im hohen Alter musste er von dieser Leidenschaft lassen. Reimann litt unter Diabetes, er hatte Herzprobleme, dazu kam eine schwere Lungenentzündung, seine letzten Tage verbrachte er im künstlichen Koma auf der Intensivstation.

Einen Tag vor dem Heiligen Abend ist Gerhard Reimann im Alter von 85 Jahren in Berlin gestorben.

Gitta Schlusche

Die Besetzung erfolgte am 5. Januar 2012

Heino Schmidtchen †

Wenn Heino Schmidtchen Geburtstag hatte, dann ließ er auch feiern. Wie es sich gehört, für den damaligen Vorsitzenden des VDS Berlin und Sport-Chef von BILD-Berlin.

Die "Goldene 60" auf der Torte, dazu zwei Super-Köche mit Köstlichkeiten im Journalistenclub im 16. Stock bei Axel Springer - da kam Freude auf bei Kollegen und der eingeladenen Prominenz.

Seine beruflichen Arbeitsbereiche waren rasant: Sechstage-Rennen, Motoren-Donner auf der Avus oder Olympia in Tokio, in München - wo was rollte, war Heino dabei. Aber die Jahre flogen davon.

Doch Berlins Autohändler machte er als Tester neuer Modelle lange glücklich. Bis zu dem Tag, als er seine geliebte Frau Inge ("Piepe") verlor.

Die letzten Jahre verlebte er im Seniorenhaus "Arche" in Zehlendorf. Er starb am 02. November 2011, kurz vor seinem runden Geburtstag - eine Torte mit der Zahl "90" wurde nicht mehr geliefert.

 

JÖRG MIEREL

 

Wir trauern um Thomas Schwarz

Thomas Schwarz
10.4.1944 - 30.5.2011

Nach langer schwerer Krankheit wurde Thomas Schwarz am 30. Mai von seinem Leiden erlöst. Den sicheren Tod vor Augen hat der gebürtige Storkower bis zuletzt am Leben gehangen. Er wurde nur 67 Jahre alt. Die Sportredaktion des RBB trauert um einen im gesamten Mitarbeiterkreis äußerst beliebten und geschätzten Kollegen.

Thomas Schwarz gehörte im klassischen Sinne zu den universell gebildeten Menschen. Er wuchs in Greifswald auf und verließ die dortige Universität mit einem Germanistik – Diplom.
 

Seine ersten journalistischen Sporen verdiente er sich im Funkhaus Schwerin, bevor er im Herbst 1972 als festangestellter Reporter und Redakteur in die Sportredaktion des Rundfunks der DDR in die Berliner Nalepastraße wechselte. Dort wurde er schnell zu einer festen und bekannten Größe. Thomas Schwarz hatte ein Herz für kleine Sportarten wie Gewichtheben, war aber als Reporter der Friedensfahrt auch im Radsport zu Hause und berichtete von Fußball- und Handballspielen der DDR-Oberliga und im Europapokal. Seine große Liebe jedoch gehörte der Leichtathletik, von der er bei Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften berichtete. Einen Namen machte sich Thomas Schwarz auch als Moderator der sehr beliebten sonnabendlichen Hörfunksendung „He, he, he – Sport an der Spree“ und als Gastgeber der sonntäglichen Sportsendungen im 2. Fernsehprogramm der DDR.

Nach dem Fall der Mauer arbeitete er für kurze Zeit beim MDR in Leipzig, bevor er zum 1. Juli 1992 beim damaligen Sender Freies Berlin fest angestellt wurde. Thomas Schwarz brauchte nicht lange, um das Vertrauen und die Zuneigung seiner Kollegen in der neuen Redaktion zu gewinnen.

 
Er war das, was einen guten Sportreporter ausmacht: ein in der Geschichte des Sports unglaublich bewanderter, leidenschaftlicher Geschichtenerzähler, der die Hörer und die Kollegen mit seinen emotionalen Reportagen fesselte und hinter dem Ereignis immer auch den Menschen sah. Thomas Schwarz kümmerte sich, stand mit Rat und Tat zur Seite, nahm sich die Zeit dafür und hatte immer ein Ohr für den journalistischen Nachwuchs – und eine Tafel Schokolade in der Schublade.Er liebte das Leben, ein gutes Buch, die Musik, und er hatte sich noch soviel vorgenommen nach seiner Pensionierung im Mai vor zwei Jahren, hatte Geschichtskurse an der Universität belegt und sich ein Klavier gekauft, um wieder mehr zu spielen. Doch kaum in Rente gegangen, brach die Krankheit aus, die er nicht besiegen konnte.

Die Kolleginnen und Kollegen werden ihn sehr vermissen, seine Kompetenz, seine Ratschläge, vor allem aber die menschliche Wärme, die er ausstrahlte, und seinen Humor. Wir weinen um jemanden, mit dem man lachen konnte. Unser Mitgefühl und unsere Anteilnahme gilt seiner hinterbliebenen Frau und seiner Familie.

Andreas Witte, Sportredaktion des rbb

 

 

Wir trauern um "Poldi"
Werner „Poldi“ Weidner

* 6. April 1923

 3. Mai 2010

 

 

 

 

 

 

In einer Zeit, in der sich in unserer Gesellschaft viele mit der Kraft ihrer Ellenbogen zu behaupten suchen, fällt es besonders schwer, sich von einem Menschen zu verabschieden, der der so ganz und gar nicht in diese Kategorie der Schlaumeier und Weltverbesserer gehört. Poldi hat stets dort geschwiegen, wo andere das große Wort führten. Er hat lieber gewirkt, statt geredet. Seine Frau Anneliese weiß das am besten. Und sie legt Wert auf die Feststellung, dass Poldi zu Hause durchaus nicht zu den Stillen gehörte. Da hat er sich die Butter nicht vom Brot nehmen lassen.  
Schon als Vierjähriger zog Werner Weidner mit seinen Eltern von Frankfurt an der Oder nach Luckenwalde. Dort ist er aufgewachsen. Dort war dem großen Jungen der Sport auf den Leib geschrieben. Merkwürdigerweise war er für den Fußball völlig ungeeignet. Darüber ärgerten sich seine Mitschüler und nannten ihn ziemlich verächtlich „Pulle“, wofür man hätte auch „Flasche“  sagen können. Weil „Pulle“ auf die Dauer nicht besonders schön klingt, hat mal ein Redakteur des RIAS daraus „Poldi“ gemacht. Fortan wurde er so gerufen. Kaum jemand nannte ihn Werner. 
Die Entwicklung etwas ungelenker Füße stand sehr im Gegensatz zu seinen schon bald imposant großen Händen. Er konnte den Handball mühelos umklammern. 1953 fassten Poldi und Anne während des Aufstandes der Ostberliner Arbeiter den gemeinsamen Entschluss, ein neues Leben in Westberlin zu beginnen. Eine waghalsige Entscheidung. Sie bissen sich durch. Poldi war ein begehrter Handballspieler.
Er gehörte in den Nachkriegsjahren zu den bekanntesten Berliner Handballern und wurde mit dem Männerteam der Reinickendorfer Füchse in den 50er Jahren mehrfacher Berliner Feld- und Hallenhandballmeister. Als der BSV 92 ihn in seine Meistermannschaft einreihen und sich dafür erkenntlich zeigen wollte, zogen beide nach Wilmersdorf und heirateten 1955.  Poldis Tätigkeit als sach- und fachkundiger Sport- und Handballjournalist begann nach seiner aktiven Handballzeit. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Anne hat er für fast alle Berliner Redaktionen gewirkt. Beide waren auch unentbehrlich für die so genannten kleineren Sportarten. Denn wer hat sich denn sonst ums Fechten oder Gewichtheben, um Segeln oder um den Modernen Fünfkampf gekümmert? Die Weidners machten das alles.
Auch Berlins Sportjournalistenverband konnte sich jahrzehntelang auf Anne und Poldi verlassen. Wenn es galt, die jährlichen Sportpressebälle zu organisieren, war Poldis Bierruhe gefragt.  Gestört hat ihn zuletzt die Last seiner Kniebeschwerden. Für einen Mann, der Zeit seines Lebens Sport getrieben hat, muss es unerträglich gewesen sein, sich schon bei der Gartenarbeit nicht mehr richtig bewegen zu können. Seinen Humor hat er dennoch stets behalten. Obwohl er die Resultate der Fußball-Bundesliga kannte und ihm der Stand der Dinge sehr wohl bekannt war, kam Tage danach stets seine Frage: „Sag mal, Micky, wie hat denn Hertha jespielt?“ Sie wird mir fehlen, diese Frage, die ich nie zu antworten brauchte.  Die Knieoperation, die letzte von schwierigeren in seinem Leben, war bereits gelungen. Aber mit den Komplikationen danach ist ein starkes Herz nicht mehr fertig geworden. Am 3. Mai hörte es auf zu schlagen.  Wir werden Poldi vermissen und ihm im VDS Berlin-Brandenburg ein ehrendes Andenken bewahren
                                                                                                                                    Günter Weise

zurück